Warum wir Einstein kennen, aber kaum ihre Namen – Der Matilda-Effekt
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Von den Geschichtsbüchern bis in die Hörsäle: Wie wissenschaftliche Leistungen von Frauen unsichtbar gemacht wurden und warum die Forschung bis heute darunter leidet.

Foto: Benjamin Couprie / Institut International de Physique Solvay via Wikimedia Commons (Public Domain)
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Das Phänomen: Der Matilda-Effekt
Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum in historischen Abhandlungen fast ausschließlich Männer als alleinige Schöpfer bahnbrechender Theorien gefeiert werden? Die Wissenschaftssoziologie hat für dieses systematische Ausblenden einen präzisen Fachbegriff: Den Matilda-Effekt[3].
Geprägt wurde der Begriff 1993 von der renommierten Wissenschaftshistorikerin Margaret W. Rossiter. Benannt hat sie ihn nach der US-amerikanischen Suffragette und Autorin Matilda Joslyn Gage, die bereits im späten 19. Jahrhundert anprangerte, dass männliche Forscher die geistigen Errungenschaften ihrer Kolleginnen nur zu gerne als ihre eigenen ausgaben[3].
Der Matilda-Effekt beschreibt kein Versehen, sondern ein strukturelles Muster: Forschungsergebnisse von Wissenschaftlerinnen wurden im Prozess der akademischen Anerkennung wiederholt ignoriert, übergangen oder schlicht ihren männlichen Vorgesetzten, Ehemännern oder Laborkollegen zugeschrieben.
Eng verwandt ist dieses Phänomen mit dem soziologischen Matthew-Effekt („Wer hat, dem wird gegeben“)[5]. In der Praxis bedeutete dies oft eine verhängnisvolle Dynamik: Bereits etablierte, männliche Lehrstuhlinhaber erhielten für eine Entdeckung die volle Aufmerksamkeit und Zitationsprominenz der Fachwelt, während die essenzielle Vorarbeit, Datenanalyse oder gar die grundlegende Hypothese von Ko-Autorinnen im Kleingedruckten verschwand oder gänzlich ungenannt blieb.
Dass es sich hierbei keineswegs um ein rein historisches Relikt handelt, zeigen moderne bibliometrische Studien: Noch immer werden wissenschaftliche Arbeiten von Erstautorinnen im Schnitt seltener zitiert als jene ihrer männlichen Kollegen bei vergleichbarer Qualität[6]. Der Matilda-Effekt wirkt somit als leise, aber wirkmächtige Hürde in akademischen Laufbahnen fort – von der Vergabe von Forschungsgeldern bis hin zu Berufungsverfahren für Professuren.
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„Dass früher kaum Frauen in den Naturwissenschaften forschten, lag schlicht am fehlenden Interesse.“
Keineswegs! Systematische Universitätsverbote, der verwehrte Zutritt zu Fachakademien und das Verbot, eigene wissenschaftliche Arbeiten zu publizieren, hinderten Frauen keinesfalls am Forschen – wohl aber daran, offiziell als Urheberinnen ihrer Entdeckungen zu erscheinen[7].
„Der Matilda-Effekt ist ein historisches Relikt und in der heutigen Forschung kein Thema mehr.“
Bibliometrische Studien widerlegen das: Forschungsarbeiten von Erstautorinnen werden bei identischer wissenschaftlicher Qualität bis heute im Schnitt seltener zitiert als jene von Männern[6]. Zudem besteht eine weltweite Disparität bei Erstautorschaften und hochrangigen Auszeichnungen[8].
„Es handelte sich bei Rosalind Franklin oder Lise Meitner um bedauerliche Einzelfälle.“
Es ist ein tief verankertes Muster: Die Wissenschaftssoziologie zeigt, dass die Aberkennung von Leistungen systemischer Natur war[3]. Männlichen Vorgesetzten, Ehemännern oder Laborkollegen wurde der gesellschaftliche und finanzielle Ruhm präferiert zugeschrieben – ein Phänomen, das sich bis in moderne Preisvergaben hinein nachweisen lässt[9].
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Aus dem Schatten ins Licht: Die Pop-up-Ausstellung in der Steiermark
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