Warum wir Einstein kennen, aber kaum ihre Namen – Der Matilda-Effekt
Artikel anhören Getting your Trinity Audio player ready... |
Von den Geschichtsbüchern bis in die Hörsäle: Wie wissenschaftliche Leistungen von Frauen unsichtbar gemacht wurden und warum die Forschung bis heute darunter leidet.

Foto: Benjamin Couprie / Institut International de Physique Solvay via Wikimedia Commons (Public Domain)
❓ Der Blitz-Check: Teste dein Wissen!
Was glaubst du: Wie viel Prozent aller Nobelpreise in den Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Medizin) gingen seit 1901 an Frauen?
👉 Klicke hier für die wissenschaftliche Auflösung!
Von über 640 ausgezeichneten Personen in den naturwissenschaftlichen Kategorien waren bis dato gerade einmal 25 Frauen. Liegt das daran, dass Frauen im Laufe der Jahrhunderte keine Forschung betrieben haben? Die Wissenschaftsgeschichte belegt eindeutig: Keineswegs[7].
Das Phänomen: Der Matilda-Effekt
Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum in historischen Abhandlungen fast ausschließlich Männer als alleinige Schöpfer bahnbrechender Theorien gefeiert werden? Die Wissenschaftssoziologie hat für dieses systematische Ausblenden einen präzisen Fachbegriff: Den Matilda-Effekt[3].
Geprägt wurde der Begriff 1993 von der renommierten Wissenschaftshistorikerin Margaret W. Rossiter. Benannt hat sie ihn nach der US-amerikanischen Suffragette und Autorin Matilda Joslyn Gage, die bereits im späten 19. Jahrhundert anprangerte, dass männliche Forscher die geistigen Errungenschaften ihrer Kolleginnen nur zu gerne als ihre eigenen ausgaben[3].
Der Matilda-Effekt beschreibt kein Versehen, sondern ein strukturelles Muster: Forschungsergebnisse von Wissenschaftlerinnen wurden im Prozess der akademischen Anerkennung wiederholt ignoriert, übergangen oder schlicht ihren männlichen Vorgesetzten, Ehemännern oder Laborkollegen zugeschrieben.
Eng verwandt ist dieses Phänomen mit dem soziologischen Matthew-Effekt („Wer hat, dem wird gegeben“)[5]. In der Praxis bedeutete dies oft eine verhängnisvolle Dynamik: Bereits etablierte, männliche Lehrstuhlinhaber erhielten für eine Entdeckung die volle Aufmerksamkeit und Zitationsprominenz der Fachwelt, während die essenzielle Vorarbeit, Datenanalyse oder gar die grundlegende Hypothese von Ko-Autorinnen im Kleingedruckten verschwand oder gänzlich ungenannt blieb.
Dass es sich hierbei keineswegs um ein rein historisches Relikt handelt, zeigen moderne bibliometrische Studien: Noch immer werden wissenschaftliche Arbeiten von Erstautorinnen im Schnitt seltener zitiert als jene ihrer männlichen Kollegen bei vergleichbarer Qualität[6]. Der Matilda-Effekt wirkt somit als leise, aber wirkmächtige Hürde in akademischen Laufbahnen fort – von der Vergabe von Forschungsgeldern bis hin zu Berufungsverfahren für Professuren.
👁️🗨️ Der Schatten-Vorhang: Wer bewies die Wärmewirkung von CO2?
Fahre mit der Maus über das dunkle Feld oder tippe es auf dem Smartphone an, um die verdrängte Geschichte aufzudecken:
Wusstet ihr, dass wir dieser faszinierenden Pionierin der Klimaforschung bereits ein ausführliches Porträt gewidmet haben?
➡️ Hier liest du die komplette Geschichte von Eunice Foote
Vom Schatten in das Licht: Die Pop-up-Ausstellung in der Steiermark
Eunice Foote ist kein Einzelfall. Fälle wie jene von Rosalind Franklin (DNA-Doppelhelix), Lise Meitner (Kernspaltung) oder Jocelyn Bell Burnell (Pulsare) zeigen, wie tief der Matilda-Effekt in unserer Kultur verankert ist.
Doch die Zeiten des Schweigens sind vorbei. In unserer kommenden Pop-up-Ausstellung „Frauen in der Wissenschaft – Von Schatten in das Licht“ (Graz, 2026) holen wir herausragende WissenschaftlerInnen mitten in den öffentlichen Raum der Steiermark.
Ein herzlicher Dank gilt der Stadt Graz, die unser Vorhaben mit einer Anschubfinanzierung unterstützt und den wichtigen Grundstein für dieses Projekt legt. Um die Ausstellung in ihrer vollen visuellen und inhaltlichen Fülle umzusetzen, befinden wir uns aktuell im aktiven Austausch mit weiteren potentiellen PartnerInnen.
- Welche steirischen und internationalen Forscherinnen wir verarbeiten?
- Wie ihre Entdeckungen (neu) interpretiert werden?
Das verraten wir euch Schritt für Schritt in den nächsten Monaten. Bleibt gespannt!